Autor Thema: Zum Thema Sprachkritik - der Deppen-Apostroph und Anderes  (Gelesen 2665 mal)

Albert

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Heute ist in Der Bund ein lesenswerter Artikel abgedruckt - zum Thema Sprachkritik: Wider den «Deppen-Apostroph» und anderen sprachlichen Unsinn
Daraus ein
Zitat
Sprache entwickelt sich: Mit dem Satz versuchen liberale Geister (oder bloss schlampige Sprecher) jedes neue Phänomen zu rechtfertigen. Der Sprachkritiker wendet sich gegen diesen Egalismus und fragt, ob die Entwicklung, das Aufkommen neuer Ausdrücke, der Sprache guttut oder nicht. Er fragt, ob es sich bloss um eine Mode handelt – wie «mega» als verstärkendes Adverb oder «Alter» als Passepartout-Anrede –, die irgendwann von einer anderen abgelöst wird, oder um eine Eintagsfliege aus der Werbung, die bewusst gegen Regeln verstösst («Hier werden Sie geholfen»). Derartiges ist höchstens kurios.Anders, wenn sich Unschönes verbreitet und verfestigt – zum Schlechteren. «Weil» plus Hauptsatz wäre so ein Fall: «Ich konnte gestern nicht kommen, weil ich war krank.» Der Sprecher dieses Satzes wird zwar verstanden, aber er markiert sich dadurch auch: als Ignorant oder als Sprachschlamper. «Weil» verlangt die Nebensatzstellung («weil ich krank war»), wer unbedingt einen Hauptsatz anschliessen will, kann auf die Konjunktion «denn» zurückgreifen.

Albert

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Antw:Zum Thema Sprachkritik - der Deppen-Apostroph und Anderes
« Antwort #1 am: 05. Mai 2017, 08:50:47 »
Und hier noch ein Artikel zum Thema bei watson.ch: Der «Deppen Leer Schlag» greift um sich

Puistola

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Antw:Zum Thema Sprachkritik - der Deppen-Apostroph und Anderes
« Antwort #2 am: 05. Mai 2017, 18:11:57 »
Ich bin überzoge, dass "darf ich en Umzug's Pin's?" richtig isch
und au "mir tüend Äffkaka mache tue".

-Wäge werum?

Will me verschtoot, was g'meint isch; Punkt, apputzt.


Lieber Albert,
auch mir tut die zunehmende Spracharmut der Deutschschweizer weh.
Der Dialäckt wird von SRF und Konsorten zerstört, indem man einfach
deutsche Notizen helvetisiert abliest, ohne Rücksicht auf die Unterschiede
in Wortschatz und Grammatik.
Und für die Lehrer'innen ist Döitsch eine Qual, seit sie es nicht mehr
nur auf den Unterrichtsgegenstand anwenden müssen, sondern ohne
Ausnahme für jede Äusserung den Schüler'innen gegenüber.
Will mit HARMOS chönnzes nid besser, aber si müend länger, oder?
Zwar müssen Die, bevor sie 'Franz' unterrichten, einen Sprachaufenthalt
im Welschen nachweisen, aber Döitsch, glaubt man, sei ihnen angeboren.
Ach, wenn man Die dann bei Aldi in Waldshut stammeln hört!


Aber:
Ist es klug, ein Forum zur Nackt-'Kultur' mit solchem Lamento
zu starten und künftigen Mitschreibern gleich zu Beginn Angst einzujagen?
Der Tagesanzeiger bedient mit seinem Sprachgehöil lediglich akademische
Bedenken, während die, die die Fehler machen, gar nicht wissen,
dass das im Fall falsch seigi.
Sind Die hier öppen nicht willkommen?

Die Sprache wird ohne Hösli kein Bitzeli besser.
Statt zu jammern, sollten wir einfach unsere eigenen Texte sorgfältig formulieren,
also z.B. diese bemühten 'innen weglassen, im Fall, wännt waisch wanimain.

Puistola



« Letzte Änderung: 05. Mai 2017, 18:17:58 von Puistola »

Albert

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Antw:Zum Thema Sprachkritik - der Deppen-Apostroph und Anderes
« Antwort #3 am: 05. Mai 2017, 20:11:01 »
Will me verschtoot, was g'meint isch; Punkt, apputzt.
Ich sehe, was Du meinst, einverstanden. Es gibt aber auch andere Sichtweisen - mit welchen ich persönlich eher sympathisiere.

Aber:
Ist es klug, ein Forum zur Nackt-'Kultur' mit solchem Lamento zu starten und künftigen Mitschreibern gleich zu Beginn Angst einzujagen?
Ich schreibe hier als Mitmensch, nicht als Regelgeber. Du hast hiermit eine Gegenposition eingenommen, danke dafür! Was Du als „Lamento“ bezeichnest, möchte ich als Denkanstoß verstanden wissen. Wenn dieser Aufsatz jemandem Angst einjagt, dann bin ich eher derjenige, welcher Angst bekommt - vor einer solch kruden Denke, die korrekte Sprache nicht mit einschließt.

Der Tagesanzeiger bedient mit seinem Sprachgehöil lediglich akademische Bedenken, während die, die die Fehler machen, gar nicht wissen, dass das im Fall falsch seigi.  Sind Die hier öppen nicht willkommen?

Die Sprache wird ohne Hösli kein Bitzeli besser.
Kann ich nachvollziehen, obgleich ich mit Verballhornungen wie „Sprachgehöil“ oder „Äffkackah“ (™Puistola) herzlich wenig anfangen kann. Diese Verballhornungen haben für mich etwas von Stammtischgehabe. Es sind alle User willkommen, aber ein Minimum an Aufwand, sich verständlich und lesbar auszudrücken, sollte jedem zuzumuten sein.

Statt zu jammern, sollten wir einfach unsere eigenen Texte sorgfältig formulieren, also z.B. diese bemühten 'innen weglassen, im Fall, wännt waisch wanimain.
Damit sprichst Du mich endlich direkt an, auch dafür Dank. Ich bestehe auf die gendergerechte Sprache, was meine eigene Schreibe betrifft.

Zuletzt noch eine talmudische Weisheit, die mir persönlich am Herzen liegt:
Zitat
Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheit.
Achte auf Deine Gewohnheit, denn sie wird Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Ich meine, auch damit sollte ein liberaler Geist, als den ich Dich einschätze, gut zurechtkommen.

Albert
« Letzte Änderung: 05. Mai 2017, 20:36:11 von Albert »

Puistola

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Antw:Zum Thema Sprachkritik - der Deppen-Apostroph und Anderes
« Antwort #4 am: 06. Mai 2017, 09:34:29 »
Lieber Albert

Ein Forum ohne Smileys begrüsse ich sehr.
Dass es aber ohne Psöidotags wie [irony][/irony] nicht gehe,
erschreckt mich schon. Hätte ich denn noch dicker auftragen müssen?
Wäre das nicht überzogen gewesen?

Heute erschien in der Züritante ein Artikel über die Schreibkompetenz
von Maturanden:
https://www.nzz.ch/gesellschaft/geschichte-des-schweizer-schulunterrichts-schreib-nicht-lies-ld.1290501

Dem Autor kam nie der Gedanke, dass es nicht am Nicht-Wollen der
Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern liege, sondern
ganz einfach daran, dass erstere es selbst nicht können!

Wohl ein Lektor hat die oben kursiv gesetzten Sprachmonster hinzugefügt.
Mit diesen saublöden Formeln signalisiert er, dass Lehrer und Schüler
beider Geschlechter gemeint seien, was im Zusammenhang ohnehin
klar war. Es geht ja nicht um die geschlechtsspezifische Differenzierung
der Sprachkompetenz.
In der Folge aber ist nur noch die Rede von Schülern, Maturanden und
Lehrern. Nachdem einmal dieser dümmliche Gendertalk eingeführt worden
war, kann es sich in der Folge also nur noch um die männlich Hälfte der
eingangs Gemeinten handeln.
Solche Sprachinkompetenz ärgert mich viel mehr als ein höite ,
ein fehlender Akkusativ oder inkonsequente Kleinschreibung, falsche
Interpunktion etc.
Unnötige Abkzg. (Vit. statt Vitamin, aber H2O statt Dihydrogenoxid,
jedoch Wasser) gehören wieder eher in den Bereich
des Nicht-Wollens als des Nicht-Könnens.

Wie schön, dies in einem Forum schreiben zu können, das auf die
meistverschwurbelnde aller Abkürzungen verzichtet: FKK


Jeder schreibe so gut, wie er kann, und es wäre bestimmt hilfreich,
vor dem [Schreiben] die [Vorschau] anzuklicken und zu prüfen,
ob der Text verständlich sei. Das umfasst mehr als nur das Regelwerk
der Grammatik und der Rechtschreibung.


Ähem, erfüllt mein Text meine Ansprüche?
Der Erste ging ja offensichtlich in die Hose ...

Puistola





Albert

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Antw:Zum Thema Sprachkritik - der Deppen-Apostroph und Anderes
« Antwort #5 am: 06. Mai 2017, 16:55:47 »
Ave Puistola

Dass es aber ohne Psöidotags wie [irony][/irony] nicht gehe, erschreckt mich schon. Hätte ich denn noch dicker auftragen müssen?
Ich gebe zu, ich habe mit Ironie meine Mühe. Ebenso wie Sarkasmus mich nur noch sprachlos dastehen lässt. Es fehlen mir die Worte, es fehlt mir das Werkzeug, um mit Sarkasmus umzugehen. Dasselbe gilt für mich für Ironie. Wo fängt sie an, bis wohin ist es überhaupt noch Ironie?


Heute erschien in der Züritante ein Artikel über die Schreibkompetenz von Maturanden:
Hab's gelesen. Finde ich irgendwie schwach - Die NZZ kann es besser.


Nachdem einmal dieser dümmliche Gendertalk eingeführt worden war, kann es sich in der Folge also nur noch um die männlich Hälfte der eingangs Gemeinten handeln.
Sobald es egal ist, ob man die männliche oder die weibliche Form verwendet, ist auch der egalisierende „Gendertalk“ nicht mehr nötig. Also wenn sich das Bewußtsein insoweit gewandelt hat, dass Frauen ebenso selbstverständlich gemeint sind wie Männer. Aber soweit ist es noch nicht. Ich sehe schon, wir haben hierüber unterschiedliche Ansichten.


Wie schön, dies in einem Forum schreiben zu können, das auf die meistverschwurbelnde aller Abkürzungen verzichtet: FKK
Ich frage mich gerade, was Deine Verärgerung über diese drei m.E. harmlosen Buchstaben so erregt haben mag. Ist's der Euphemismus für nackt, also der „Freikörper“? Oder die „Kultur“? Oder der Umstand, dass dieses Kürzel gerne für etwas ganz Anderes mißbraucht wird? Letzteres ist vermutlich in demselben gesellschaftlichen Verständnis begründet, das auch den „Freikörper“ geboren hat. Krude gesagt, eine puritanische Sichtweise auf alles Körperliche. Rotlicht und Verklemmtheit sind eng befreundete Nachbarn, wie man weiß.


Jeder schreibe so gut, wie er kann, und es wäre bestimmt hilfreich, vor dem [Schreiben] die [Vorschau] anzuklicken und zu prüfen, ob der Text verständlich sei. Das umfasst mehr als nur das Regelwerk der Grammatik und der Rechtschreibung.
Ja, ein wichtiger Hinweis. Und, BTW, jeder Beitrag kann 1440 Minuten (aka 1 Tag) lang editiert werden.

Was mir aufgefallen ist: Du machst „händische“ Umbrüche in Deinen Text - das wäre nicht nötig. Das Forum handhabt Fließtext völlig autonom, es gibt also in der Anzeige keine Monsterzeilen. Die Forensoftware (SMF) könnte sogar Silbentrennung durchführen - ich habe aber auf die Trennung verzichtet, weil ich dem System (PHP) nicht so ganz traue. Alles in Allem, in SMF schreiben ist fast so komfortabel und im Ergebnis ebenso schön wie WordPress.

Albert